Kniechirurgie

Das menschliche Knie ist nicht nur das größte sondern auch das komplexeste Gelenk des Körpers. Um verletzte Knie wieder voll funktionsfähig zu machen braucht es Technik, Verständnis für Physik und Mechanik. Für mich ist das Knie ein technisches Meisterwerk – eine hocheffiziente Maschine mit zahllosen Bauteilen, Verbindungen, Gadgets und Funktionen. Es geht darum zielsicher das richtige Schräubchen zu drehen, damit alles reibungslos funktioniert. Und das tue ich seit 20 Jahren mit Leidenschaft.

Illustration des Meniskus - Link führt zu Meniskusoperationen
Illustration des Knorpels - Link führt zu Knorpeloperationen
Illustration des Kreuzbandes - Link führt zu Kreuzbandoperationen
Illustration zu Beingeradestellung - Umstellungsosteotomie - Link führt zu Beingeradestellung
Illustration zu Oberflächenersatz - Link führt zu Oberflächenersatz
Illustration zu Künstliches Knie - Link führt zu Künstliches Knie

Meniskus

Der Meniskus ist ein wichtiger Stoßdämpfer und Stabilisator im Knie. Typischerweise verletzt man sich den Meniskus, wenn das Knie in voller Streckung oder Beugung unter Last steht und dann zusätzlich verdreht wird. Ist der Meniskus verletzt, führt das zu Schmerzen und Blockaden und wenn Sie länger nichts dagegen tun, zur laufenden Abnützung des Gelenks. Je nachdem welche Form ein Meniskusriss hat und wo genau er sich befindet muss man unterschiedlich behandeln:

Meniskusteilresektion auch Glättung bezeichnet

Die Teile des Meniskus die kaputt gegangen sind und nicht mehr regenerieren können, werden so sparsam wie möglich entfernt. Wichtig ist, dass so viel wie möglich des Meniskus erhalten bleibt.

Meniskusnaht

Wenn der Meniskus in einem gut durchbluteten Bereich verletzt ist, ist es sinnvoll auch die verletzte Substanz zu erhalten. Dabei wird der Meniskus vernäht und fixiert. Die Innenfläche des Risses wird gezielt minimal verletzt (Anfrischen). So wächst die Stelle stabiler wieder zusammen.

Transossäre Refixation

Wenn der Meniskus an seiner Wurzel komplett ausgerissen ist, ist es in Einzelfällen notwendig diese über einen schmalen Bohrkanal wieder am Knochen zu fixieren.

Meniskustransplantation

Wenn der Meniskus so schwer verletzt ist oder bereits mehrmals operiert und so weit entfernt wurde, dass er seine Aufgabe als Stoßdämpfer und Stabilisator nicht mehr erfüllen kann, verursacht das permanente Schmerzen und das Kniegelenk wird abgenützt. Hier besteht die Möglichkeit einer Transplantation mit einem Spendermeniskus – ein sogenanntes Allograft.


Knorpel

Der hyaline Knorpel ist die Gleitfläche, die eine schmerzfreie und reibungsfreie Bewegung in einem Gelenk überhaupt erst möglich macht. Ist der Knorpel verletzt oder abgenützt erkennt man das oft an Knirschen, Knarren oder Knackgeräuschen im Gelenk – Schmerzen und chronische Entzündungen sind die Folge beleidigter Knorpel. Je nach Tiefe (Grad 1 bis 4), Größe und Ort des Knorpelschadens gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden.

Die Knorpelglättung

Dieser Eingriff wird oft leichtfertig durchgeführt, denn eine positive Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Knorpelglättung sollte daher als alleiniger Eingriff nicht durchgeführt werden.

Mircofrakturierung

An der Stelle der Verletzung wird der Knorpel sauber entfernt und der nun freiliegende Knochen fein punktiert. So gelangen Stammzellen aus dem Knochenmark in die freigelegte Stelle und bilden ein dem Knorpel sehr ähnliches Gewebe nach. Diese Operation funktioniert jedoch nicht bei zu großen Verletzungen. Entscheidend ist die Nachbehandlung: Entlastung durch Krücken und Physiotherapie für mindestens sechs Wochen.

OATS

Bei diesem Eingriff wird ein Knorpel-Knochen-Zylinder aus einer nicht belasteten Zone des Knorpels entnommen und an der verletzten oder abgenützten Stelle eingesetzt. Der entnommene kaputte Teil wird an der Entnahmestelle wieder eingesetzt – die Zylinder werden also einfach getauscht und der Knorpel wird dort, wo er belastbar sein muss wieder voll funktionsfähig.

ACT und MACT

Oder auch Knorpelzelltransplantation 😉 Hierbei werden Knorpelzellen entnommen und im Labor gezüchtet bis ausreichend neues „körpereigenes“ Knorpelgewebe nachgewachsen ist. Dieses wird dann wieder im Knie eingesetzt. Das Problem daran ist, dass zwei Operationen am Knie notwendig sind. Um dies zu vermeiden gibt es die:

Stammzellentransplantation

Hierbei werden in einer Operation Stammzellen aus dem Knochenmark des Beckenknochens entnommen, separiert und unmittelbar danach im Knorpel eingesetzt. Der Vorteil: Die Wartezeit von rund sechs Wochen zwischen Entnahme und Einsetzen entfällt.


Kreuzband und andere Verletzungen der Bänder

Die Kreuzbänder sind die zentralen Säulen der Stabilität des Kniegelenks. Durch die Kreuzbänder wird der Roll-Gleit-Mechanismus des Knies überhaupt möglich. Reißt ein Kreuzband ist dies sehr schmerzhaft. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es zwar möglich mit einem gerissenen Kreuzband zu leben. Gerade für Menschen mit einem aktiven Lebensstil ist dies jedoch schwierig.

Wiederherstellung des eigenen Kreuzbandes

Sollte das Kreuzband nahe seinem Ansatz am Knochen oder gemeinsam mit einem Stück Knochen ausreißen und zwar ohne gravierende Verletzung des Bandes selbst, kann es operativ rekonstruiert werden. Eine vollständige Genesung ist möglich.

Augmentation des Kreuzbandes

Oft kommt es vor, dass entweder der vordere gerade oder der hintere schräge Teil des Kreuzbandes reißt und der andere Teil hält. In diesem Fall ist es möglich den erhaltenen Teil zu verstärken.

Kreuzbandersatz durch körpereigene Sehne

Ist das Kreuzband völlig zerstört ist die Methode der Wahl der komplette Ersatz durch körpereigene Sehen (Semitendinosus-, Quadrizeps- oder Patellasehne).

Singlebundle vs. Doublebundle

Im Normalfall ist die anatomische Wiederherstellung in der Einbündeltechnik zielführend. Hierbei werden nicht zwei Bänder sondern ein stärkeres eingesetzt. In Ausnahmen wird sowohl das vordere gerade wie das hintere schräge Kreuzband ersetzt – vor allem bei sportlich extrem ambitionierten Patienten.

Transplantation des Kreuzbandes

Die Richtlinien für den Gebrauch von Spendergewebe haben sich in den vergangenen Jahren zugunsten der Patienten verbessert. Die Transplantation wird dadurch zunehmend populärer. Der Vorteil dabei ist, dass der Eingriff wesentlich schonender ist, da die Entnahme der körpereigenen Sehen entfällt. Abstoßungsreaktionen sind nicht zu befürchten und die erzielte Stabilität ist genauso gut oder besser als beim Eigengewebe.

Periphere Instabilitäten

Neben den bekannten Strukturen innerhalb des Kniegelenks existiert eine Reihe von weiteren Bändern die zusätzlich Stabilität geben. Verletzungen dieser Bänder werden auch von Medizinern leicht im MRT übersehen und dann nicht entsprechend in das chirurgische Gesamtkonzept aufgenommen.  


Beingeradestellung

X- oder O-Beine, medizinisch Genuvalgum und Genuvarum genannt, lassen sich mittlerweile mit einer Operation geradestellen.

Epiphysiodese – Korrektur im Wachstum

Schon im Wachstum kann eine Abweichung Richtung X- oder O-Bein zu Beschwerden führen. Das können beim O-Bein Schmerzen auf der Innenseite des Knies oder – beim X-Bein Behinderungen beim Gehen und Laufen durch Berührung und Stolpern sein. Hier wird das Wachstum auf der entsprechenden Seite durch eine Klammer verhindert, bis das Bein wieder in gerader Achse steht.

Umstellungsosteotomie – Korrektur beim Erwachsenen

Bei dieser Operation werden je nach Art der Fehlstellung Ober- und Unterschenkelknochen angefräst, leicht aufgeklappt und in der neuen Position verschraubt. Hier kommen spezielle Titanplatten und sogenannte Winkelstabile Schrauben zum Einsatz. Der Spalt im Kochen wächst zu und das Bein steht gerade. Der Vorteil: Patienten können das Bein unmittelbar nach dem Eingriff belasten.

Zusammenhänge

Chirurgische Eingriffe im Knie – wie Meniskus, Kreuzband oder Knorpel-OPs – führen oftmals nicht zur erhofften Verbesserung, wenn die Beine nicht gerade sind. Die Gelenke bleiben ungleichmäßig und falsch belastet, operierte Bereiche nützen sich rasch wieder ab. Daher sind Beingeradestellungen oft überhaupt die Voraussetzung für eine dauerhafte Sanierung des Kniegelenks.


Oberflächenersatz

Wenn Ihr Gelenk am Ende ist, fangen wir erst richtig an. Wenn die Abnützung der Gelenksoberflächen irreparabel sind, besteht die Möglichkeit, diese zu ersetzen. Mit der künstlichen Oberfläche ist das Knie wieder voll belastbar.

Unikondylärer Oberflächenersatz

Sind die Gelenksoberflächen nur auf einer Seite des Knies kaputt, wird bloß diese Seite ersetzt.  Die Vorteile: Wesentlich kleinerer Eingriff, natürlicheres Gefühl und raschere Heilung. Dieser Eingriff ist darüber hinaus kein Hindernis, sollte später ein vollständiger Oberflächenersatz notwendig werden.

Bikondylärer Oberflächenersatz

Hierbei werden die gesamten Gleitflächen des Kniegelenkes ersetzt. Das Knie wird mit den neuen Oberflächen nach Physiotherapie wieder voll belastbar. Entscheidend für den Erfolg ist in den meisten Fällen nicht, ob die neueste Generation von Implantaten zum Einsatz kommt, sondern das Wissen des Chirurgen über die Bandspannungsverhältnisse innerhalb des Kniegelenkes und die Erfahrung.


Künstliches Knie

Der letzte Ausweg für ein kaputtes Knie ist die Knietotalendoprothese – das künstliche Knie. Hierbei werden große Teile des Gelenks sowohl beim Unter- wie beim Oberschenkel abgenommen und ein komplettes neues Gelenk eingesetzt.


Patellofemorales Gelenk – Die Kniescheibe

Alles bei der Kniescheibe ist eine Frage der Stabilität. Nur wenn die Kniescheibe einwandfrei funktioniert, können wir unser Knie schmerzfrei strecken und beugen. Ursachen für Schmerzen in der Kniescheibe sind Knorpelschäden, anatomische Veränderungen und Verletzungen der Bänder. Die drei gängigsten Probleme sind:

Luxation

Die Kniescheibe wird seitlich durch Bänder in Position gehalten. Reißt eines dieser seitlichen Bänder oder ist eines zu stark unter Spannung verliert die Kniescheibe ihre ideale Position und es kommt zu Schmerzen. Im schlimmsten Fall renkt sich die Kniescheibe komplett aus – Luxation – dann ist eine sofortige operative Behandlung unumgänglich.

Trochleadysplasie

Die Laufrinne in der sich die Kniescheibe über dem Oberschenkelknochen bewegt ist hier so stark verändert, dass die Kniescheibe keine stabile Führung hat. Das kann unterschiedliche und mehrere Gründe gleichzeitig haben. Hier geht es um genaue und kompetente Diagnose – die meisten Schäden lassen sich operativ sehr gut behandeln.

Malalignment

Wenn ein Kniegelenk nicht gerade ist (X- und O-Beine), die Bänder, die die Kniescheibe mit Ober- und Unterschenkel verbinden jedoch in „normaler“ Position sind, entsteht ein seitlicher Zug auf die Kniescheibe. Dies korrigiert man einerseits durch die Beingeradestellung und andererseits durch das versetzen den Ansatzpunktes der Bänder an den Knochen.


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